Hinterländer Anzeiger 23. Dezember 2011

Verein bringt Schüler aufs Pferd

Stadtschule und Reiterverein Biedenkopf kooperieren für neues Angebot


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Biedenkopf. Ausmisten, Stallgasse fegen, striegeln und reiten: Für 15 Jugendliche der Stadtschule Biedenkopf gehören solche Tätigkeiten seit diesem Halbjahr zum Unterrichtsalltag. Für das neue Nachmittagsangebot "Reiten" kooperiert die Schule mit dem Reiterverein Biedenkopf. Eine Zusammenarbeit, die für beide Seiten neu und nach den ersten Erfahrungen "eine große Bereicherung" ist, sagt Schulleiter Roland Germonprez.

Das Land Hessen fördert alle Schulen mit Ganztagesangebot mit einer festgelegten Geldsumme, die Schulen entweder für zusätzliche Lehrkräfte oder besondere Angebote am Nachmittag ausgeben können. An der Stadtschule haben sich die Verantwortlichen dazu entschlossen, die Mittel aufzuteilen - sowohl für zusätzliche Lehrerstunden als auch für spezielle Angebote.

"Alles rund ums Pferd" kommt vor allem bei Mädchen gut an

Um herauszufinden, was die Schüler während dieser Nachmittagsangebote gerne machen würden, hatte die Stadtschule im vergangenen Schuljahr eine Umfrage gestartet. Dabei war herausgekommen, dass "alles rund ums Pferd" besonders bei Schülerinnen gut ankomme, berichtet der Schulleiter. In den Sommermonaten hatte es deswegen erste Gespräche mit dem Reiterverein Biedenkopf gegeben.

Dort war das Thema "Reiten in der Schule" nicht unbekannt: "Die Deutsche Reiterliche Vereinigung fördert das Reiten als Schulsport seit einiger Zeit", sagt der Vorsitzende des Vereins, Karl-Otto Pfeil.

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Mit Unterstützung des nationalen Reitsport-Verbandes hat Biedenkopfs Reitlehrerin Stefanie Behlert ein pädagogisches Konzept entwickelt, das die Grundlage für das neue Nachmittagsangebot der Stadtschule bildet.

Kernpunkt ist, dass den Schülern "das Lebewesen, der Sport- und Freizeitpartner Pferd" nahegebracht werden soll - es geht weniger um das Reiten, vielmehr um alle Themen rund ums Pferd. Geplant war ursprünglich, dass einmal pro Woche maximal acht Schüler in die Reitanlage im Biedenkopfer "Arnoldsgrund" kommen. Als sich die Stadtschüler im neuen Halbjahr jedoch für ihre Nachmittagsangebote einwählen durften, war das Interesse am Reiten so groß, dass von Beginn an zwei Gruppen kommen.

Roland Germonprez: "Das werden wir auf jeden Fall wieder machen"

Insgesamt 15 Schülerinnen und Schüler von der sechsten bis zur neunten Klasse lernen seitdem unter Anleitung von Stefanie Behlert das Pferd näher kennen. Sie beobachten die freilaufenden Tiere in der Reithalle, misten die Boxen aus, striegeln und satteln die Pferde. Erste Reiterfahrungen an der "Longe" gehören ebenso dazu wie ein Besuch beim Tierarzt oder beim Hufschmied.

Im theoretischen Unterricht lernen sie, was Pferde fressen und welche Krankheiten sie bekommen können. "Am liebsten putze ich die Pferde", erzählt die elfjährige Berfin, während sie mit der Mistgabel in der Hand in der Box des vereinseigenen Schulpferds "Popcorn" steht.

"Mir ist eigentlich egal, was wir machen, Hauptsache, wir sind mit den Pferden zusammen", sagt die 14-jährige Kader. Alle Mädchen wollen sich im neuen Schuljahr wieder für das "Reiten" einwählen, und auch für Schulleiter Roland Germonprez steht das neue Angebot nicht zur Disposition: "Das werden wir auf jeden Fall wieder machen."

Die Zusammenarbeit mit einem Sportverein als externem Partner für das Nachmittagsangebot der Schule habe sich als "sehr bereichernd und gewinnbringend" erwiesen. "Uns geht es darum, ein attraktives Angebot für unsere Schüler zu schaffen", sagt Germonprez, "und dazu loten wir natürlich alle Möglichkeiten aus." Auch für die Vereine sei die verstärkte Zusammenarbeit mit den Schulen von Vorteil, berichtet der Reitvereins-Vorsitzende Karl-Otto Pfeil.

Weil immer mehr Kinder und Jugendliche auch am Nachmittag in der Schule seien, hätten viele Vereine Schwierigkeiten mit der Nachwuchsarbeit. "Durch solche Kooperationsmodelle können sich Vereine neue Möglichkeiten erschließen", sagt Karl-Otto Pfeil.